GAZETKA

Informationen des Polnischen Kulturvereins und der Vereinigung der Polen in Berlin über Ereignisse aus dem deutsch-polnischen Kulturleben

11/01/03

Berlin listopad / November 2003

Nr 55

 

 

 

 

Gedanken

Strona 5

Es gibt auf dieser Welt unzählige philosophische Gedanken. Jeder dieser Gedanken hat eine berechtigte Existenz. Jedenfalls trägt jeder dieser Gedanken in sich einen Teil der berühmten Wahrheit, die so notwendig ist zum Leben, zumindest für das geistige Leben. Dennoch, je mehr Philosophen und Philosophien wir kennen lernen, umso komplizierter wird unser Blick auf diese Welt, umso schwieriger unsere Einstellung zum Leben. Es wäre sicherlich am einfachsten, sich einer einzigen Philosophie zu verschreiben und mit ihr das ganze Leben zu leben. Wäre das Einfache aber auch das Beste? Oder hat Pascal recht, indem er meint, es sei viel schöner von allem ein wenig zu wissen als von einem alles? Und was ist im täglichen Leben, zumal im politischen? Welche Argumente sind die richtigen? Wer hat Recht?

Seit geraumer Zeit verfolge ich die Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen. Die Angelegenheit ist wichtig, vielleicht sogar sehr wichtig. Daher lese ich unterschiedliche Aussagen und Argumente, polnische und deutsche, liberale und konservative, überzeugende auf den ersten Blick und demagogische. Ich versuche das zu verstehen, was offensichtlich ein Problem ist. Ich versuche auch den Argumenten zu folgen, die da fast schon aufgefahren werden. Ich frage mich, ob der Sitz des Zentrums so wesentlich ist, so symbolhaft, als dass er die guten nachbarschaftlichen Beziehungen stören könnte. Haben Herr Meckel, Geremek und andere Intellektuelle Recht, indem sie zum Beispiel Wroclaw als Sitz des Instituts vorschlagen und Berlin ablehnen. Oder ist die Idee Frau Steinbachs oder Herrn Glotz politisch korrekt, dieses Zentrum unbedingt in Berlin anzusiedeln? Wird denn überhaupt die Bedeutung eines solchen Zentrums nicht überschätzt? Besteht ein allgemeines Interesse an Forschungen zum Thema Vertreibung? Kann denn überhaupt ein Zentrum gegen Vertreibungen zum Mekka der Revisionisten werden, sofern es rein wissenschaftlich und mit wenig musealem Charakter betrieben wird?

Ich bin der Meinung, dass ein Zentrum gegen Vertreibungen nicht in Berlin angesiedelt werden sollte. Es ist einfach unsensibel. Ich bin aber der Meinung, dass der Zustand der Demokratien in Deutschland und Polen mittlerweile eine Stabilität erreicht hatte, dass selbst fragwürdige Entscheidungen und Institutionen von diesen Demokratien schmerzfrei ausgehalten werden müssen. Diese Art politischen Egoismus von Frau Steinbach verdient keinen Skandal. Auch eine Frau Steinbach muss man respektieren.

Vielleicht sollten wir keine fremden Wahrheiten uns aufzwingen lassen, aber auch keine den Anderen dekretieren. Vielleicht sollten wir einfach auf Kierkegaard hören und unsere eigene Wahrheit finden, unsere Meinung und damit leben. Vielleicht wäre es friedlicher.

Bonifatius Stopa

 

Lyrik von Adam Zagajewski

Es gibt sie auch in polnischer Sprache, die Gedichte von Adam Zagajewski. Vielleicht sind sie durchdringender und schöner als in der deutschen Übersetzung von Karl Dedecius. Aber in der deutschen Übersetzung von Dedecius erreichen sie die Sinnlichkeit des Geistes. Was will man also mehr. Also freut man sich, wenn man Zagajewski liest, den Mann, der sehr früh seine Heimatstadt Lemberg verlassen musste, dann in Gleiwitz und Harvard, und Paris lebte, um schließlich nach Krakau zurückzukehren. Aber den Ort für seine Einbildungskraft fand er in der Poesie.

Es ist ein Genuss, wenn man die Rezension von Jan Wagner mit der Überschrift „Die verstümmelte Welt besingen“ in der „Frankfurter Rundschau“ vom 08.10.2003 liest. Mehr Genuss bereiten allerdings die Gedichte Zagajewskis selbst, die unter dem Titel „Die Wiesen von Burgund“ im Carl Hanser Verlag, München 2003 erschienen.

Teresa Stopa

 

 

 

 

 

poprzednia następna strona
Home

Adres GAZETKI (eMail)

 

C2003

01.11.2003 19:12:19