GAZETKA

Informationen des Polnischen Kulturvereins und der Vereinigung der Polen in Berlin über Ereignisse aus dem deutsch-polnischen Kulturleben

05/29/03

Berlin lipiec-listopad/Juli-November 2002     

Nr 52

 

 

 

 

Gedanken

Strona 3

Wir kennen den Satz Nietzsches von der „Umwertung aller Werte“. An Stelle der bisherigen und anerkannten Werte sollten nach Nietzsche jene wahren treten, die jenseits des Gut und Böse liegen. Lassen wir erst diese nietzscheanischen Gedanken außer Acht, die zwar viele spätere Philosophen und Literaten inspiriert hatten, die aber nicht vermochten unsere verbindliche Ethik und Moral zu ersetzen. Der Satz von der „Umwertung aller Werte“ wurde dennoch populär und gern im verschiedenen Kontext zitiert. Zu diesem Kontext gehört der Zustand der Welt – seit nahezu 90 Jahren verändert sich immer mehr und schneller unser Moralkodex. Nein, nicht dieser Moralkodex verändert sich, sondern die Zahl derjenigen, für die dieser Kodex keine Verbindlichkeit mehr besitzt.

Am 25.April 1915 wurde zum ersten Mal bei einem Angriff auf das belgische Städtchen Ypern ein Giftgas verwendet. Zwanzig Jahre später begann die Verwirklichung der national-sozialistischen Theorien des Über-menschen mit ihrem singulären Massenmord. Dann kamen die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts und mit ihnen die allergrößten Hoffnungen auf den Sieg der Demokratie und die Freiheit des Subjekts. Der 11. September 2001 begrub diese Hoffnung. An jenem Tag mussten wir mit Entsetzen feststellen, welche neue und unvorhersehbare Zeit des Weltterrorismus uns just ereilt hatte.

Die Ereignisse in Djerba, auf Bali und vor wenigen Wochen in Moskau sind nicht nur ein Beweis dafür, daß sich die Welt und unser Alltag entfernt hatten von unseren Erwartungen und Plänen, sondern daß sie gefährlich werden, unberechenbar und gänzlich unmoralisch. Die Werte verlieren an Bedeutung. Und es ist nicht nur eine Umwertung, es ist ein Verlust sämtlicher geltender Normen.

Alle möglichen Analysen von Motiven und Ideen, die zu diesen Taten geführt hatten, genügen nicht, um sie zu beurteilen. Sie liegen jenseits unserer Urteilskraft. Sosehr wir alle schuldig sind im Leben, so reicht unsere Schuld nicht aus, um diese Taten zu begreifen.

Die Unberechenbarkeit der terroristischen Attentate, deren unbegrenzte Ausmaße, führen dazu, dass der Kampf gegen sie an die Grenzen des Möglichen gelangt, zur Sisiphos-Arbeit wird. Was ist zu tun?

Ich weiß nicht, wie man den Terror begrenzen kann. Ich weiß aber, dass uns Pazifisten zunehmend der Glaube in die Vernunft des Menschen verlässt und seine Fähigkeit, das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Mit jedem neuen Terrorakt verlieren wir mehr und mehr Vertrauen zu diesem Menschen und seiner Ethos. Der Glaube in den Humanismus darf allerdings nicht fallen. Damit der Humanismus gewinnt, brauchen wir in diesen Tagen nicht nur Hoffnung, sondern auch Taten. Die erste Tat sollte vielleicht die Toleranz der Kultur des Anderen sein, sofern die Kultur des Anderen die Unversehrtheit und die Freiheit des Einzelnen als einen unaufhebbaren Wert stellt.

Bonifatius Stopa

 

Polen und Berlin
Die Überschrift ist nicht neu. Sie ist nahezu gegenwärtig in dieser Stadt. Sie hätte auch lauten können – „Polen in Berlin“. Denn die Polen in Berlin sind ein Teil der polnisch-deutschen Nachbarschaft, Zusammenarbeit aber auch der Konflikte, die die lange und leidvolle Geschichte mit sich brachte. Sie sind einer der unzähligen, die deutsch-polnischen Beziehungen mitbestimmenden  Faktoren, oder zumindest ein kleiner Gradmesser dieser Beziehung. Und das seit mehr als 200 Jahren. Die Zeit arbeitet für den Humanismus und die Demokratie, aber auch für die Freundschaft, für das Normale. Und so stellten am 8.November 2002 im Polnischen Institut die Ausländerbeauftragte des 

Senats von Berlin, Prof.Barbara John, der Leiter der Konsularabteilung der Polnischen Botschaft, Ryszard Szklany sowie Andrzej Stach als Autor eine Publikation, die den bedeutungsschweren Titel trägt – „Das polnische Berlin“.

Es handelt sich hierbei um ein 135 Seiten umfangreiches Heft, das aus der Feder von Andrzej Stach stammt. Stach, der zum absoluten Kenner der polnischen Szene in Berlin gehört, aber auch als Mitarbeiter von verschiedenen Rundfunksendern und Zeitungen die deutsch-polnischen Beziehungen analysiert und kommentiert, brachte eine Publikation, die in ihrem Umfang und Seriosität, ihrer Tiefe und Gründlichkeit uns allen einen Überblick verschafft über die Geschichte der Polen in Berlin und ihr kulturelles und soziales Dasein.

Die Publikation, die von Henryk Kulczyk, einem engagierten Polen in Berlin, finanziell wesentlich ermöglicht wurde, ist gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro bei der Ausländerbeauftragten des Senats in der Potsdamer Straße 65 zu erhalten.

B.Stopa

 

 

 

 

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